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Monkey Island 1
Hersteller: LucasArts
Vertrieb: Softgold Computerspiele GmbH
Wir schreiben das Jahr 1990. Der wenig furchteinflößende, jedoch sehr wortgewandte Möchtegern- Pirat Guybrush Threepwood holt zu einem der erfolgreichsten Beutezüge in der Adventure-Geschichte aus. Mit messerscharfem Verstand, bissiger Rhetorik und seiner gefährlichsten Waffe, Humor, entert Threepwood die Herzen von Millionen Adventure-Fans.
Ich bin Guybrush Threepwood, ein mächtiger Pirat!
In Wirklichkeit ist Guybrush alles andere als ein furchterregender Freibeuter. Sein knabenhaftes Äußeres und die latente Neigung, in ein Schlamassel nach dem anderen zu geraten, verhilft ihm nicht gerade zu hoher Akzeptanz bei seinen holzbeinigen Kollegen. Dennoch lässt er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Mit der Fähigkeit ausgestattet, zehn Minuten die Luft anzuhalten, verschlägt es den Jungspund nach Mêlée Island, um dort von den alteingesessenen Seeräubern das Piratenhandwerk zu erlernen. Schon nach kurzer Zeit erhält Guybrush klare Anweisungen. Drei Prüfungen muss er bestehen, um sich offiziell Pirat nennen zu dürfen. Wie so oft im Leben überschlagen sich die Ereignisse: Bei der Ausführung einer der ihm gestellten Aufgaben macht er Bekanntschaft mit Mêlée Islands Gouverneurin Elaine Marley. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch recht schnell wird das junge Glück einer schweren Belastungsprobe unterzogen. Zombie-Pirat Le Chuck entführt die schöne Elaine, um sie zu seiner untoten Ehefrau zu nehmen. Keine Frage, dass Guybrush alle Hebel in Bewegung setzt, um Elaine zu retten. Das Abenteuer beginnt…
Benutze Huhn auf Kabel
„The Secret of Monkey Island“ wurde auf Grundlage des damals sehr bewährten SCUMM-Systems entwickelt. Demzufolge sollte die Steuerung all denen bekannt sein, die bereits ein älteres Grafik-Adventure von LucasArts gespielt haben. Am rechten unteren Bildschirmrand werden die Inventargegenstände als Symbole dargestellt, auf der linken Seite stehen die Interaktionsmöglichkeiten des Spieler, wie zum Beispiel „Benutze“, „Ziehe“, „Drücke“, „Schaue“, „Spreche“, etc. Wendet man eines dieser Verben auf einen Gegenstand im Spiel an, führt Guybrush die gewählte Aktion aus oder gibt dem Spieler zu verstehen, dass er etwas anderes versuchen sollte. Wer nicht im Besitz der CD-Rom-Version ist, muss sich mit einem Inventar in Text-Form begnügen.
Die Rätsel sind zwar fast immer abgedreht, aber niemals unlogisch. So ätzt Guybrush mit hochprozentigem Grog schwedische Gardinen weg und missbraucht an anderer Stelle ein Gummihuhn, um über ein Stromkabel sicher auf die andere Seite eines Flusses zu gelangen. Was sich hier ziemlich unverständlich anhören mag, erscheint im Spiel als die logischste Sache der Welt. Nahezu jedes Mal nach dem Meistern eines scheinbar schweren Rätsels stellt sich der berühmte Aha-Effekt ein und man ärgert sich, nicht schon eher auf die Lösung gekommen zu sein. LucasArts gelingt es, den Spieler vollends in die Comic-Piraten-Welt von Monkey Island zu entführen. Auch knapp 20 Jahre nach Erstveröffentlichung versprüht Guybrushs erstes Abenteuer derart viel Witz und Charme, wovon sich manch aktuelles Adventure eine dicke Scheibe abschneiden sollte. „The Secret of Monkey Island“ bietet weit mehr als clevere Rätsel und die lustige, aber zugleich spannende Storyline. Der Spieler agiert in einer durchweg glaubwürdigen Welt, wo selbst die unwichtigsten Nebencharaktere überzeugen und ihre eigene Geschichte erzählen. Gerne klickt man sich in Gesprächen durch alle Antwortmöglichkeiten, um ja keinen der zahlreichen Gags oder Anspielungen auf die reale Welt zu verpassen. Die Charaktere sind durchweg genial designt und bestechen durch ihre Lebendigkeit. Sei es Guybrush selbst, der ewig quasselnde Verkäufer Stan, Oberbösewicht Le Chuck oder die schrecklich wichtigen, Grog gurgelnden Piraten. Keiner von ihnen wird je aus dem Monkey Island Universum wegzudenken sein. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die relativ große Freiheit, welche dem Spieler gewährt wird. Oft darf man sich innerhalb eines Kapitels selber aussuchen in welcher Reihenfolge einzelne Aufträge gemeistert werden. Kommt man nicht weiter, wendet man sich einer anderen Kopfnuss zu. Das minimiert den Frustfaktor und garantiert genügend Abwechslung, um den Spieler bei Laune zu halten.
Tief in der Karibik
Klar, Grafik und Sound sind in die Jahre gekommen. Nichtsdestotrotz sieht man allen Szenarien sofort die Liebe zum Detail an, mit der die Entwickler zu Werke gingen. Der nächtliche Sternenhimmel von Mêlée, die urige SCUMM-Bar mit ihren allzeit besoffenen Gästen, das Kannibalendorf und natürlich die Affenhöhle auf Monkey Island stehen repräsentativ für viele Locations, die vor Abwechslung nur so strotzen. Auch wenn deutliche Pixel zu erkennen sind, bleibt die Optik immer noch ansehnlich, zumal sie sich mit Hilfe von ScummVM ein wenig aufpolieren lässt. Gleiches gilt für den Sound. Besitzer der CD-Rom-Version vernehmen muntere, qualitativ hochwertige Melodien aus ihren Lautsprechern. Viele Stücke besitzen genügend Wiedererkennungswert, um sie auch nach dem Spielerlebnis vor sich herzupfeifen. Das ist Karibik-Feeling pur! Die Dialoge sind allerdings nicht vertont, dafür gibt es Untertitel. Schade auch, dass LucasArts der CD-Rom-Neuauflage keine zusätzliche Musik spendierte. So bleiben viele Räume ohne musikalische Untermalung.
Zwei letzte Hinweise: Deutschfanatiker finden in unserer Download-Rubrik einen Patch für die neue deutsche Rechtschreibung. Besitzer der VGA-Version bekommen einen Patch, der den häufig auftretenden Fehler "Integer divide by zero" behebt.
Kommentar
„The Secret of Monkey Island“ ist ein Meilenstein der Videospielgeschichte. Es gehört meiner Ansicht nach in jede Top-Ten-Liste. Für unseren Klassiker-Test habe ich Guybrush zum circa fünften Male bei seinen ersten Streifzügen durch die Piratenwelt begleitet. Langeweile kam dabei immer noch nicht auf. Unvergessen bleiben zahlreiche Momente und Dialoge, wie zum Beispiel die Beleidigungsduelle oder der berühmte dreiköpfige Affe. Übertroffen wird das Spiel nur durch den direkten Nachfolger „Monkey Island 2: Le Chuck’s Revenge“. Klare Ansage an alle Adventure-Fans ohne Affen im Regal: Kaufen!
Klassiker-Wertung: 9/10
        
Giancarlo 'Gianni' Wenske
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